David H. Lawrence erblickt das Licht des Gardasees

David H. Lawrence erblickt das Licht des Gardasees

Der englische Schriftsteller David H. Lawrence (11. September 1885 bis 02. März 1930) erreichte den Gardasee im Herbst 1912 mit seiner schönen Begleiterin Frau Frieda von Richthofen, verheirateter Weekley. Mit der Ehefrau seines Lehrers verließ er die Enge der durch die grauen Kohlenreviere dominierten Gegenden in der Mitte Englands. Nach einem Aufenthalt in München machte sich das Paar auf in den Süden und erreichte Monate später endlich den Gardasee in seinem nördlichen Teil mit dem Zentrum Riva del Garda. Trotz ihres bescheidenen Reisebudgets fanden sie dort umgehend eine Unterkunft in der Villa Leonardo, Viale Giovanni Prati 10 in der Nähe der Porta San Marco. Den Aufenthalt fasst er an seinem 27. Geburtstag so zusammen: „Wir leben an dieser Bucht im Exil und in Armut, aber in Sonnenschein und Glück".

Die längste und intensivste Zeit am Gardasee verbrachte Lawrence allerdings anschließend im Städtchen Gargnano am westlichen Steilufer des Sees, einige Kilometer bevor sich dieser dann in vollem Umfang in die Ebene ausbreitet. Die Gardesana gab es noch nicht, so dass aus dem Norden nur die Anreise mit dem Schiff möglich war. Kurz nachdem Lawrence und seine Geliebte am 18. September 1912 den Boden des kleinen Hafens betraten, hatten sie wieder Glück mit einer schon fast herrschaftlichen Unterkunft in der Villa Igea, umgeben von den intensiven Düften der Zitronenbäume, die fast in das Haus hinein wucherten. Hier öffnete sich das Herz des Schriftstellers unter dem Einfluss der Landschaft mit ihrem gegensätzlichen Licht zwischen heller Sonne auf dem See und Schatten in Tälern und Gassen. “Und der Gardasee unter dem sonnigen Himmel war so wunderschön…” schreibt er in seinem Reisetagebuch "Twilight in Italy“ (deutsch: Italienische Dämmerung).

​Mit Blick auf den See erlaubte ihm sein Zimmer schon morgens eine Sicht auf das herrliche Panorama: „Der See liegt wie eine trübe und milchige Masse vor mir; die Berge dahinter sind dunkelblau, während der Himmel über ihnen im Licht erströmt und glänzt … der Gebirgskamm erglüht an einer gewissen Stelle in goldenem Licht…”. Im Kontrast dazu beschreibt Lawrence die Struktur des Ortes als „... Wirrwarr an winzigen Gässchen, die zu durchlaufen war wie sich in ein von verstohlenen Kreaturen gebautes Labyrinth hineinzuwagen...“. Gerade diese Gegensätzlichkeit hat eine große Faszination auf den Schriftsteller ausgeübt. Und auch heute erliegen wir dieser immer noch – und immer wieder gern.