Die Oase San Francesco

Die Oase San Francesco

Die Oase San Francesco ("Oasi San Francesco") am Gardasee ist ein Naturdenkmal von ungefähr 10 Hektar Größe. Sie befindet sich zum überwiegenden Teil auf dem Gemeindegebiet von Desenzano del Garda. Aufgrund der über drei Jahrzehnte lang unberührten Natur haben sich eine Flora und Fauna entwickelt, deren Arten zum Teil sehr selten oder vom Aussterben bedroht sind. Um diesen einzigartigen Lebensraum am südwestlichen Ufer des Gardasees zu erhalten, wurde er im Jahre 2009 offiziell als Area Umida (Feuchtgebiet) San Francesco eingeweiht, das nur an ausgewählten Stellen im Rahmen von Führungen zugänglich ist.

Die Leitung des Schutzgebietes wurde von der Airone Rosso (Purpurreiher) übernommen, einer ehrenamtlichen Vereinigung, die sich um alle Belange kümmert und auch die Führungen veranstaltet. An diesen kann von Mitte Mai bis Mitte September samstags und sonntags teilgenommen werden. Auf die Besucher wartet eine Vortragshalle, Informationstafeln, Holzstege und eine Beobachtungsstation, die einen diskreten Blick mitten ins bunte Treiben der Tierwelt gestattet. Bei starkem Wind und Regen bleibt die Oase geschlossen.

Im Vergleich zu seiner geringen Ausdehnung ist die Artenvielfalt des Naturreservats außergewöhnlich groß: Vögel, Reptilien, Amphibien, kleine Säugetiere und zahllose Insektenarten, die, begünstigt durch das vorhandene Totholz, hier ihren Lebensraum gefunden haben. Bei den regelmäßig durchgeführten Zählungen wurden über 100 Vogelarten registriert, die entweder das ganze Jahr oder nur über eine gewisse Periode hier leben. Auch Vögel auf der Durchreise legen hier gerne eine Rast ein. Der Purpurreiher beispielsweise, der früher nur ein unregelmäßiger Durchzügler war, hat sich in den letzten Jahren zum Brutvogel im Schilfbereich entwickelt.

Neben den Wasser- und Wiesenpflanzen sind die Weiden- und Erlenbestände von Bedeutung. Den mittleren Teil der Oase bevölkern zahlreiche Brombeersträucher. Besonders wichtig ist der dichte Schilfbewuchs, der vielen Tieren Unterschlupf, Nahrung und Möglichkeiten zum Nestbau bietet und das ökologische Gleichgewicht positiv beeinflusst. Um die Oase von der vorbeiführenden Bundesstraße abzugrenzen, wurden Hecken aus Holunder, Brombeere, Hopfen, Hartriegel und Terpentin-Pistazie angelegt. Dieses Strauchwerk dient Reptilien, kleinen Säugern, Vögeln und Insekten als Lebensraum.

​Um dieses Naturkleinod zu erhalten, bedarf es nicht nur der Sorge für die Einhaltung der Regeln durch Besucherströme, sondern auch der Beobachtung des natürlichen Gleichgewichts selbst. So gibt es etwa mit der exotischen Rotwangen-Schmuckschildkröte eine Art, die durch unbedachtes Aussetzen im Schutzgebiet heimisch geworden ist und bei Überhandnehmen zu einer Bedrohung für einheimische Arten werden kann. Durch die umsichtige Arbeit der Airone Rosso wird die Oase San Francesco auch künftig ein Refugium für bedrohte Tier- und Pflanzenarten bleiben.